Ich Steppenwolf trabe und trabe, Die Welt liegt voll Schnee, Vom Birkenbaum flรผgelt der Rabe, Aber nirgends ein Hase, nirgends ein Reh! In die Rehe bin ich so verliebt, Wenn ich doch eins fรคnde! Ich nรคhmโs in die Zรคhne, in die Hรคnde, Das ist das Schรถnste, was es gibt. Ich wรคre der Holden so von Herzen gut, Frรครe mich tief in ihre zรคrtlichen Keulen, Trรคnke mich satt an ihrem hellroten Blut, Um nachher die ganze Nacht einsam zu heulen. Sogar mit einem Hasen wรคre ich zufrieden, Sรผร schmeckt sein warmes Fleisch in der Nacht โ Ach, ist denn alles von mir geschieden, Was das Leben ein biรchen frรถhlicher macht? An meinem Schwanz ist das Haar schon grau, Auch kann ich nicht mehr ganz deutlich sehen, Schon vor Jahren starb meine liebe Frau. Und nun trab ich und trรคume von Rehen, Trabe und trรคume von Hasen, Hรถre den Wind in der Winternacht blasen, Trรคnke mit Schnee meine brennende Kehle, Trage dem Teufel zu meine arme Seele.
Dichtung von Hermann Hesse aus: Der Steppenwolf Roman ersch. 1927 / Rezitation: Christian Berkel